Seit frühester Kindheit
verfolge ich die Erzählungen meiner Eltern, Tanten und Onkel über
die "Gute alte Zeit", aber auch über den unseligen 2. Weltkrieg und
die Tragödie der Vertreibungen 1945. Viele Menschen wurden Opfer historischer
Bewegungen. Haus und Hof wurden damals zurückgelassen und seither
gab es nurmehr selten Kunde aus der "Alten Heimat". Familien wurden zerrissen
und wieder zusammengeführt oder lebten fortan im Nachkriegsdeutschland
unserer Tage. In den Köpfen der Emigrierten aber lebt die Erinnerung
an ihre Kindheit und die Jugendzeit weiter. Die räumliche Trennung
führt zu einer Entfremdung der einzelnen Familienzweige. Dieser Prozeß
wird durch die Lebensanschauung unserer Gesellschaft in einer schnelllebigen
Zeit begünstigt.
Um so dringlicher scheint es,
die Erinnerungen an die Vergangenheit, in der über Jahrhunderte hinweg
das Zusammenleben in einer Großfamilie zum Selbstverständnis
gehörte, lebendig zu halten und für die nachkommenden Generationen
zu bewahren. Zu schnell verlieren sich mündliche Überlieferungen
im Dunkel der Vergangenheit. Denn generell kann festgestellt werden: was
nicht aufgeschrieben wurde, gerät in Vergessenheit. Solange noch die
Möglichkeit besteht, Zeitzeugen zu befragen, ist eine nicht wiederkehrende
Chance gegeben, Anteil am Leben unserer Vorfahren zu haben. Die Berichte
aus erster Hand vermitteln uns eine Ahnung von den Lebensumständen.
Letzten Endes mögen sie uns daran erinnern, daß die täglichen
Annehmlichkeiten des heutigen Lebens vor wenigen Jahren noch keineswegs
selbstverständlich waren.
Die Genealogie (Abstammungskunde)
als Ganzes ist eine komplexe Aufgabe. Wer sich mit Ihr befaßt, wird
bald merken wieviel und Ausdauer es bedarf. nach kurzer Zeit schon stellte
auch ich fest, daß ich kaum ein Ende finden werde. Es ist eine Lebensaufgabe,
für die die wenigsten von uns die erforderliche Zeit und das notwendige
Interesse aufbringen können oder wollen. Daher habe ich mich in der
vorliegenden Arbeit zunächst auf wenige Bereiche beschränkt:
Bezüglich der Ahnenforschung
ist insbesondere die Großfamilie Stoyke in lobenswerter Weise
erforscht worden, während dies für die anderen drei Hauptlinien
- Schmidt, Schiemann und Bomke - leider nicht zu bestätigen
ist.
Antrieb zur Suche nach der Verwandtschaft
gab mir die verstreichende Zeit: Noch ist es möglich, die bestehenden
Kontakte der älteren Familienmitglieder zu reaktivieren und zu nutzen.
Auf diese Weise konnte ich die Geschwister meiner Großeltern und
ihre noch lebenden Nachfahren näher beleuchten. Dabei zeigte sich,
daß die unerwartete Kontaktaufnahme durchweg ein positives Echo fand.
Darüber hinaus bin ich Herrn Hans-Jürgen Wolf (Bremen) für seine
ausführlichen Ergänzungen, Korrekturen, Unterlagen und weiterführenden
Hinweise zur Großfamilie Stoyke zu Dank verpflichtet.
Das vorliegende Manuskript ist
also nur die erste Stufe der Forschung, lediglich als ein Versuch zu betrachten,
die jüngere Familiengeschichte bis zum derzeitigen Zeitpunkt darzulegen,
wobei der Schwerpunkt auf das Leben der Familie Stoyke in Mnich am See
bei Gr. Plowenz, Kr. Graudenz und der Familie Schmidt in Drückenhof,
Kr. Briesen liegt. Der Inhalt erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Insbesondere die umfangreichen Kenntnisse und Forschungsergebnisse zur
Großfamilie Stoyke sind nur in geringem Maße angesprochen.
Anekdoten aus dem Leben sollen
die bloße Auflistung von Daten und Fakten auflockern und die Empfindungen
damaliger Zeit "begreifbar" machen. Möglicherweise machen eben sie
das Niedergeschriebene interessant. Daß die Erinnerungen dabei durch
eine subjektive Note charakterisiert werden, ist nur verständlich.
Mein Anliegen ist es, meine
Erkenntnisse einem möglichst weiten Kreis interessierter Familienforscher
darzulegen, um auf diesem Wege Forschungskontakte zu anverwandten Familien
und zu Genealogen mit gleichen Schwerpunkten in ihrer Arbeit aufzunehmen.
Für Anregungen und Informationen
steht meine Mailbox zur Verfügung:
Verden, im Dezember 2003
Olaf SchmidtMotivation
